Status: Symbol

Niemand wird der Erfindung der Taschenuhr im 16. Jahrhundert wohl ihren Status als technische Revolution abstreiten. Die damalige Innovation eines Federwerks in Kombination mit einer Federbremse bot die Möglichkeit ein Uhrwerk zu konstruieren, welches dermaßen klein war um es auf ein Format in Taschengröße zu schrumpfen. Versetzen wir uns in damalige Umstände zurück, so boten lediglich der Sonnenstand und öffentliche Uhren normal sterblichen Menschen die Möglichkeit genau geregelte Zeit zu erfahren. Die Erfahrung der Zeit war aber kein universell verfügbares Gut. Für heutige Verhältnisse, in denen ich vielleicht schon so weit gehen würde die ständige Präsenz der genauen Uhrzeit als eine Art der Zeitverschmutzung zu benennen... –Faden verloren– Wie auch immer. Was heute im Überfluss besteht war damals kostbares Gut. Sowohl als Luxusgut, Repräsentations- objekt und Navigationshilfe für die Seefahrt war die Zeit zum mitnehmen eine feine Sache. Zeit wurde also zum stets verfügbaren Gut, sofern man die Mittel aufbringen konnte sich sich eine dieser kleinen Uhren für die Tasche anzuschaffen. Ein hervorragendes Anzeichen für den Wert einer solchen Uhr findet man auf Zeitzeugen der damaligen Oberschicht. Fotografien waren noch lange nicht erfunden und wenn man sich die Mühe machte etliche Stunden in einer Pose zu verharen um ein Abbild von sich selbst anfertigen zu lassen... So sollte natürlich auch all das Hab und Gut darauf erkennen zu sein um der Welt zu zeigen wie es um einen bestellt war. Die Uhr wurde zum Vorzeigeobjekt und Statussymbol. Maria Theresia von Spanien meinte es zum Beispiel gleich doppelt gut mit ihrer Aussendarstellung und liess sich gleich mit zwei dieser Schmuckstücke auf einem Gemälde verewigen.

Folgende Situation ist mir 400 Jahre später Ende Oktober 2008 bei meiner USA Reise in einer Bar in Hollywood passiert: In der Bar entwickelte sich ein Gespräch zwischen mir und einer Person, die mir gegenüber erklärte Produzent zu sein. Wer schon mal eine gewisse Zeit in Hollywood verbracht hat weiss, dass etliche Leute dort ständig neue Projekte und die heißesten Deals am laufen haben, Künstler vermitteln und mit dem ganzen Celebrity Topf per du sind. "My mobile never stops ringing the whole day..." Er fragte ob ich nicht auch Künstler sei... Ich wusste nicht so Recht und meinte ich sei Grafikdesigner. Er lobte circa 5 Minuten den ganzen Stamm aller Grafikdesigner und priess jeden der Photoshop öffnen konnte als großen Künstler. "Sure you're an artist!" So weit so gut. Das Gespräch lief also darauf hinaus, dass er mir einen 100 Dollar (!) Deal für ein neues Firmanlogo anbot. Als Kontakt sollte ich ihm meine Emailadresse geben. Leider war der heiße Celebrity Produzent nicht in der Lage sein IPhone zu bedienen und so musste ich, der noch nie ein IPhone davor in der Hand hatte sie selber eintragen. Gesagt getan fand meine Emailadresse nach ca 20 Sekunden ihren Weg in sein Adressbuch. Dadurch blieb noch genügend Zeit den Rest seines Adressbuches durchzustöbern. Leider dauerte dieser Vorgang nicht mal die Zeit zum eingeben meiner Adresse. Es wartete keine Pamela Anderson oder ein Harrison Ford auf mich sondern lediglich die voreingespeicherten Telefonnumern der Pannenhilfe, Auskunft, Service Hotline usw. Der selbe Mensch, der noch vor Minuten von sich gab, dass sein Telefon rund um die Uhr klingelte und er alle wichtigen Menschen überall kenne übergab mir also seinen Schlüssel zu seiner wahren Identität. Er gab mir ein überaus teures Stück moderne Technik, welche er nicht bedienen konnte und mit dem er selbst wenn er es gekonnt hätte fast Niemanden erreichen konnte, weil gerade mal 16 Kontakte gespeichert waren.

Was macht dennoch den Reiz eines solchen technischen Spielzeuges aus? Warum hatte dieser Mensch ein IPhone und warum holte er es während dem Gespräch ständig demonstrativ aus seiner Jackentasche? Warum entstand ein derartiger Hype und Run auf ein simples Mobiltelefon? Was kann es anders/besser als davor verfügbare PDAs, Organizer und andere Telefone?

Ein Blick auf das Datenblatt liest sich recht nüchtern:

Abmessungen und Gewicht:
115,5 mm x 62,1 mm x 12,3 mm - 133 g

Farbe:
8GB Modell: schwarz
16GB Modell: schwarz oder weiß

Kapazität:
8GB oder 16GB Flash-Laufwerk

Mobilfunkstandards:
UMTS/HSDPA (850, 1900, 2100 Mhz)
GSM/EDGE (850, 900, 1800, 1900 Mhz)
Wi-Fi (802.11b/g)
Bluetooth 2.0 + EDR
Assisted GPS

Lieferumfang:
iPhone 3G, Stereo-Headset mit Mikrofon, Dock-Connector-auf-USB-Kabel, USB Power Adapter (Netzteil), Dokumentation, Reinigungstuch, Werkzeug zum Entfernen der SIM-Karte
(Auszug aus der T-Mobile Seite)
http://www.t-mobile.de/iphone/technischedetails
/0,17176,21413-_,00.html Stand 11.11.08)

Man kann erkennen, dass das Iphone ein sicherlich gut ausgestattestes und funktionales Mobiltelefon ist... aber echte Neuerungen lassen sich nicht erkennen.
Die komplett stiftlose Navigation wurde zum Beispiel bereits 4 Monate vor dem IPhone von LG in einem 'Telefon verwirklicht, welches den Namen Prada phone trägt.

Ich möchte jedem Benutzer eines Iphones gerne selber seinen eigenen Grund haben lassen was ihn bewegt oder damals bewegt hat sehr viel Geld für ein Mobiltelefon auszugeben und sich für 24 Monate in einen Knebelvertrag sperren zu lassen. Meiner Meinung nach ist das IPhone ein technisch gutes, äußerlich schickes und vorallem repräsentatives Gut. Ich kann mir gut vorstellen wie ein erfolgreicher Geschäftsmann sich heutzutage mit seinem Mobiltelefon am Ohr für die Presse ablichten lassen. Ein Bild bei dem sicherlich kein Manager, Produzent, oder eben Promi etwas einzuwenden hätte. Würde Maria Theresia von Spanien sich heutzutage für die Bunte ablichten lassen hätte sie bestimmt 2 Mobiltelefone am Ohr. Eine schöne repräsentative Taschenuhr ist heutzutage übrigens ab ca. 50 Euro zu bekommen. Ohne Vertrag und Mindestlaufzeit.
erstellt 11.12.2008