Ornament is crime

Draußen ist es kalt... Man erkältet sich... Das passiert. Deswegen rege ich mich nicht auf, dass ich derzeit gefühlte 82 Taschentücher pro Tag verbrauche. Das alleine ist noch nicht so außergewöhnlich, dass es lohnen würde darüber zu schreiben. Die Erkältung war vielmehr der Anlass mir neue Taschenentücher zu kaufen. Ich stand vor dem Taschentuchregal im Schlecker und mir fiel das erste Mal in meinem Leben bewusst auf, dass Taschentücher nicht einfach Taschentücher sind. Aus der Werbung kannte ich die großen Unterschiede des Taschentuchbusiness. Manche Taschentücher lassen sich mit Wasser bespritzen und bestehen danach dennoch locker den "Durchschneutztest"... Die sollte man dann natürlich auch kaufen. Der Markt für Rotztücher wird aber auch mit anderen Strategien beackert und neben Qualität setzt die Marktwirtschaft auf die Emotionen des Patienten und Kunden. Dabei ist es egal ob die Nase wund und die Hände vollgerotzt werden, weil das Papier reißt. Es kommt darauf an sich dabei wohl zu fühlen. Zurück zu meinem Verkaufsregal... "Wenn ich schon die nächste Woche jeden Tag die gefühlten 82 Tücher verbrauche, dann will ich wenigstens ein Happening daraus machen." Also fiel meine Wahl auf die "Sau Bär" Tücher. Allein das Wortspiel wäre mir fast schon die 35 Cent Extrakosten wert gewesen, aber die kleinen Bärchen und das Labyrinthspiel auf jedem Tuch lösten beim Kauf schon eine wollige Wärme und spürbare Besserung in mir aus. Ich freute mich auf das nächste Mal Nase putzen. Man darf eben nie den emotionalen Wert einer Ware unterschätzen. Vielleicht wird durch diese Tücher meine Nase etwas wund. Dafür legt sich ein sanftes Gefühl über meine Seele :O) Dazu fällt mir die Aussage einer Freundin ein, die für ihren Sohn einen neuen Kinderarzt suchen wollte, weil der aktuelle Arzt, ihrer Meinung nach, nicht genug auf das Kind eingeht: "Der hat ja nicht mal bunte Kinderpflaster. Des wär des Erste was ich kaufen würde wenn ich Kinderarzt wäre." Funtkionalität findet eben nicht nur beim manuellen Gebrauch einer Sache statt, sondern lässt sich auch im Seelenleben als eine Art "Emotionalfunktionalität" wiederfinden.
erstellt 08.12.2008